Samstag, 2. November 2013

Meine handarbeitlichen Wurzeln

Meine handarbeitlichen Wurzeln liegen wie sicher bei so vielen in der Kindheit. Während es meine Eltern vorzogen ihre arme kleine Tochter sommers durch das Elbsandsteingebirge und winters durch das Osterzgebirge zu "schleppen" und noch heute der Meinung sind, ich hätte viel Spaß dran gehabt (ja gut, so ganz unrecht haben sie nicht), liebte ich es Ferienzeit bei meinen Großeltern zu verbringen. Oft ging ich mit dem Großvater auf den Schloßberg zu einer Aussicht, um die Wagons der vorbei fahrenden Züge zu zählen. Auch er war es, der mit mir jährlich Plapperwasser holte. Zu Osterwasser hat es nie gereicht, da ich damals bereits die Augen aufschlagen konnte und von Null auf 100 hoch fuhr. Ich schaute oft auf den vom Mond beschienenen riesengroßen Baum vor dem Schlafzimmerfenster, hörte das Käuzchen rufen und lauschte den fasziniert der Großmutter die mir Geschichten von Posträubern mit Mistgabeln erzählte. Doch nicht nur das, so war meine Großmutter die Geduld in Person und begann mir zu erklären, was sie da mit den ganzen Nadeln und Fäden machte. Das klang ja alles so leicht und schnell verspürte ich den Wunsch dies auch zu probieren. Selbstverständlich wollte ich sofort meinem Teddy einen wärmenden Pullover stricken. Hm....nachdem ich Glück hatte und mir nicht die Finger brach, vollendete Omi dieses Werk. Aber ein Grundstock war gelegt und mit der Geduld meiner Großmutter und Übung meinerseits entstanden Schals, Pullover für Teddy und Puppe. Aber auch lehrte sie mir den Umgang mit der Häkelnadel, was später sogar für Bordüren und Gardinen im ländlichen Stil reichte. In der Stickerei halten sich meine Fähigkeiten heut noch in Grenzen und reichen nicht über den Kreuzstich hinaus, was meinen Kindern aber schöne Teddybilder in ihre Zimmer zauberte und unter den Christbaum einige Weihnachtsdecken. Völlig verschlossen blieb mir mittels kleiner Schiffchen, Spitzen herzustellen. 
Doch möchte ich ein euch hier ein paar Hinterlassenschaften meiner Großmutter zeigen......


Ein alter Koffer der noch heute es vermag, mich zurück zu zaubern in eine wunderbare Zeit. So möchte ich euch einen Blick hinein nicht verwehren. 


Tatsächlich Wolle aus Oma's Zeiten........Wolle der Altenburger Wollspinnerei, welche 1829 als Altenburger Firma J.G. Schmidt jr. Söhne gegründet wurde. Besitzer- und Standortwechsel folgten. Anfang der 90er Jahre wurden Zweigstellen geschlossen bis die endtültige Schließung 1994 folgte. Heute sind die Produktionsstätten sogar abgerissen.
Hier eine reine Schurwolle, welche aus den Jahren 1964 bis 67 sein muss, was aus der Auspreisung unschwer zu erkennen ist. Die MDN (Mark der Deutschen Notenbank) war genau in diesen Jahren namensgebend für die Währung der DDR. 
Man achte auch auf den Hinweis "mottenecht"......scheint ja was dran zu sein.......


Auf dem folgenden Etikett der Elbtalwolle, einem Maschinenstrickgarn aus 100% Wolle erkennt man die Elbe, einen Dampfer, den Umriss eines Tafelberges meiner geliebten Heimat der Sächsischen Schweiz. Aber auch rechts das Gebäude mit der dahinter liegenden Kuppel könnte ansatzweise der Silhouette unseres schönen Dresdens zugeordnen werden. 
Über das Alter dieses Etiketts kann ich nichts genaues sagen. Das richtig zweitstellige Postleitzahlensystem von 1941 bis Mitte der 60er Jahre führte keine Zahlen in dieser Höhe. Die auf der linken Seite "83 Pirna" stehende Angabe, ist sicher nur einer verkürzten Schreibweise der vierstelligen tatsächlichen "8300 Pirna" gewichen. 


Hier noch eine Wolle Warnow in einem Fliederton, welche meine Großmutter mit 8Mark 60 erwarb. Stricken war damals offenbar schon kein preiswertes Vergnügen.


Ja und nun 3 bis 4 Lebensjahrzehnte später, nach meinen ersten Berührungen mit dem Medium Wolle, nach den ersten hoffnungslosen Versuchen dem Teddy einen wärmenden Pullover zu stricken, was ist übrig geblieben......die Freude am Stricken, die Erinnerungen an meine Zeit bei meinen Großeltern, das Gefühl meiner Großmutter sehr nahe zu sein, als ich meine Jungs, als sie noch Zwerge waren, einstrickte. Das Gefühl ihr nahe zu sein, wenn ich heute mit den Nadeln klappere aus Freude am Stricken, anderen eine Freude zu machen. Aber auch Kontakte mit Gleichgesinnten, Austausch und Kommunikation mit Freunden. Das Gefühl einer Gemütlichkeit beim Stricken, das Gefühl ich selbst zu sein.....und ich könnten noch einiges  mehr aufzählen.....all dies hat mir meine Großmutter mit auf den Weg gegeben und mich ein Stück zu dem gemacht, was ich heut bin..........

Auch möchte ich gern noch meine anderen Großeltern hier erwähnen, meine Großvater der die Leidenschaft für technische Dinge, besonders die zweirädrigen Gefährte mit einigen Pferdestärken in mir weckte und meine Großmutter die die besten Vaniliegipfel und Quarkkeulchen der Welt bereitete und mit mir tapfer den ein oder anderen von mir gefertigten missratenen Kinderkuchen aß. 

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