Mittwoch, 29. Mai 2013

Tannenberg/Jedlová (20. Mai 2013)

Der Wecker klingelt, die Augen gehen nur mit Mühe auf, durch einen schmalen Spalt lässt sich die Dunkelheit der Nacht erahnen, ich beginne meine Gedanken zu sortieren und versuche heraus zu finden, warum mich der Wecker so unsanft aus dem Tiefschlaf gerissen hat. Es ist viertel nach vier und es kann nur ein klarer Anfall von Wahnsinn gewesen sein.....von Wanderwahnsinn und fröhlich spring ich aus dem Bett. Ausnahmsweise mal ganz vorbildlich hatte ich meinen Rucksack schon weitestgehend vorbereitet. Nach der morgendlichen Berührung mit dem kühlen Nass war der Rucksack schnell ergänzt und ein Kaffee fix aufgebrüht, als es bereits an der Tür klopfte. Also flott die Wanderschuhe an die Füße, den viel zu heißen Kaffee hinter geschüttet, den Rucksack geschnappt und ab ins Vergnügen, nach Böhmen in das Lausitzer Gebirge.
Vor uns lag eine knapp 70km lange sehr kurvenreiche Autofahrt, durch die Morgendämmerung und eine ausgesprochen schöne Landschaft. Je weiter wir ins böhmische kamen und der Tag begann, umso weiter ließen wir einen dicken schwarzen Wolkenteppich hinter uns. Dann doch froh am Zielort - einer kleinen Ansiedlung namens Tollenstein/Rozled - das Auto ob der Kurven verlassen zu können, starteten wir pünktlich um sieben in unsere Wanderung. 
Ein kleines Stück der Straße folgend ging es in das Dörfchen St. Georgenthal/Jiretín pod Jedlovou um von hier aus auf den Kreuzberg/Krízova hora zu gelangen. Auf dem 563m hohem Berg befindet sich eine Wallfahrtskapelle und auf demWeg nach oben passiert man elf steinerne Stationen des Kreuzweges. Dieser Kalvarienberg wurde 1764 geweiht. Die erst hölzerne Kapelle wurde nach einem Sturmschaden durch einen Steinbau ersetzt und 1886 noch durch einen Turm bereichert. 
Dies war ein Berg heut, wie er hätte nicht anders sein können und besonders schön in dem beginnenden Morgenlicht mit seinen feuchten Wiesen, himmlischer Ruhe, nur den singenden Vögeln und einer Aussicht in das Land.......

Leider muss ich euch an dieser Stelle enttäuschen und kann euch keine Fotos zeigen, da  meine SD-Karte und ich derzeit offenbar ein gespaltenes Verhältnis zueinander haben. Ich muss in einem unachtsamen Moment beim Überspielen der Bilder den gesamten ersten Teil der Wanderung unwiederbringlich gelöscht haben......

Dem grünen Wanderweg entlang wunderschöner Wiesen folgend, muss ich euch auch hier die Ausblicke ins Land leider verwehren. 
Von hier aus bogen wir rechtsseitig ab in ein Stück unmarkierten Wanderweg, durch das Dörfchen Tannensdorf/Jedolva einer kleinen Ansiedlung die St. Georgenthal angehört und am Fuße des gleichnamigen Berges liegt. Doch diesen ließen wir links liegen, vorerst und tauchten ein in die Tiefen des böhmischen Waldes. Hier stiefelten wir den Tannendorfer Weg, die Lange Meile um unser Frühstückziel zu erreichen. Doch da gab es noch eine Blockhalde zu überwinden. 



Nachdem sich dies einfacher als erst gedacht heraus stellte, standen wir auf dem langgezogenen Gipfel des Kleinen Schöber/Malý Stozec (659m) und ein grandioes 360° Panorama tat sich vor uns auf. Selbstverständlich erkundeten wir den zerklüfteten Felsgipfel mit seinen steilen Felswänden, Birken und Buchen und fanden ein wunderbares Frühstücksplätzchen mit Blick in Richtung SW. Von hier schauten wir auf die in umittelbarer Nähe liegende Talsperre Kreibitz/Chribska bis hin zu den Bergen der Sächsisch-Böhmischen Schweiz - z.B. den Rosenberg /Ruzovsky vyrch, den hohen Schneeberg/Sneznik, die Zschirnsteine und und und.....



Hier mussten wir uns einfach den Luxus eines etwa einstündigen Frühstücks gönnen. 
Wer hoch ist, muss auch wieder runter. Aber mit etwas mehr Achtsamkeit, ließen sich die Steine der Blockhalde auch abwärts gut überwinden. Unser nächtes Ziel, was wir vom Kleinen Schöber schon in greifbarer Nähe wähnten, erreichten wir über bequeme Forstwegen ehe wir in den vermeintlichen Klettersteig einstiegen......Einen gewissen Schwierigkeitsgrad würde ich ihm schon zugestehen, diese bestand allerdings nur im Überwinden eines Wiesenhanges mit heftigem Baumbruch. Aber darin waren wir ja sogar schon "wintererprobt". Nachdem wir so etwa 2/3 des Berges erkommen hatten, entschieden wir uns dann doch für den bequemen in Serpentienen sich schlängelnden Forstweg am Rade des Berges. Nicht zuletzt wegen der sich immer wieder bietenden grandiosen Aussichten. 




So konnten wir sogar den 55km entfernten Milleschauer/Milesovka (Böhmisches Mittelgebirge) erkennen. Uns immer weiter nach oben schraubend, erreichten wir den Gipfel des Tannenberges/Jedolva. Mit seinen reichlich 774 m, ist er der dritthöchste Gipfel des Lausitzer Gebirges. Ende des 19. Jahrhunderts entstand hier der Turm und eine erste Schutzhütte. Welche bereits ein paar wenige Jahre später einer großzügigen Bergbaude wich. 



Selbstverständlich schaute wir auch von hier aus ins weite Land.....



Einen etwas anderen Weg hinab und schon verschluckte uns der böhmische Wald erneut. Immer entlang von Forst-, mehr oder wenigen kleinen und größeren Waldwegen, entdeckten wir ein kleines verborgenes Wasserfällchen. Im Winter, wenn das Wasser sich zu Eis wandelt und während der Schneeschmelze wird dies niedlich anzusehendes Rinnsal sicher etwas imposanter. 



Doch bald sollten wir nun den böhmischen Wald verlassen und herrlich satte Wiesen taten sich vor uns auf. Dies gepaart mit dem Blick auf die Laubwälder...... das ist wahrer Seelenbalsam. 



Ein kleines Stücken weiter konnten wir unser letztes Ziel des heutigen Tages erblicken. 



Etwa 100m niedriger als der naheliegeden Tannenberg prangt auf dem Felsen heut noch die Ruine der Burg Tollenstein/Tolstejn. Früher auch Dohlenstein genannt, findet man erste Erwähnungen der Burg im Jahre 1337. Erbaut wurde sie allerdings etwas früher. Auch die Namen von Wartenberg, Berken von Duba begegnen einem hier. Mitte des 16. Jahrhunderts wurde die Burg verlassen. Anfang des 17. Jahrhunderts wird dies offiziell gemacht. Von der kaiserlichen Armee im 30jährigen Krieg besetzt, wurde sie 1642 von einem schwedischen General erobert und niedergebrannt. Fortan diente sie Raubrittern als Heim. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in der Ruine eine Gastwirtschaft errichtet, welche nach Renovierungsarbeiten heut noch aus Ausflugslokal dient. 



Zwischen Mauerstücken und Felsen tun sich immer wieder schöne Ausblicke auf. 


Blick auf den Tannenberg/Jedlova

Zum höchsten Punkt der Burg gelangt gegen einen kleinen Olbolus über metallene Treppen, Leitern, Brücken mit unsäglich roten Geländern......
Auch dieser letzte Aufstieg hat sich gelohnt....Hier hatten wir heut das zweite Mal ein tolles 360° Panorama......hier nur ein kleiner Ausschnitt......


Nun waren es nur noch einige wenige km immer stet bergab, um zu dem Mobile zu gelangen, was uns gen Heimat bringen sollte. Doch luden die vor uns liegenden Wiesen mit ihrem wunderbaren Ausblick noch zu einem letzten Päuschen ein und wir plünderten nochmal den Rucksack, ließen den Tag Revue passieren ehe wir die letzen Schritte taten.......


Am Auto angekommen, hatten wir 20km erwandert, freuten uns über die wunderbare Tour und mit einem dauerhaften Lächeln auf dem Lippen ging es (erneut die kurvenreiche Strecke.....) gen Heimat.....

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