Freitag, 16. November 2012

Schneekoppe (22. Oktober 2012)

Nun sollte es soweit sein und der höchste Gipfel des Riesengebirges sollte fallen. Selbstverständlich gingen meine Augen noch weit vorm Weckerklingeln auf und mein Körper und Geist vermeldeten "...munter, fit und sofort einsatzbereit...." so gab es für mich kein Halten mehr....raus aus dem kuschelwarmen Bett und hu ins kalte Feriendomizil. Allein die Vorfreude ersetzte bei mir jegliche Heizung. Doch für die tapferen Frühaufsteher hab ich selbige aufgedreht und so gab es ein urgemütliches Frühstück mit Kaffee und böhmischen Hörnchen. Der Rucksack war dann schnell gepackt. Heut mussten wir das Auto dann doch ein paar km bewegen, um zum Ausgangspunkt unserer geplanten Wanderung zu gelangen. In Petzer (Pec pod Snezkou)angekommen,  stellten wir das Mobile auf dem noch leeren Parkplatz ab. Petzer ist ein kleines Örtchen, welches im 16. Jahrhundert seine erste Erwähnung findet,  am Fuße der Schneekoppe und misst eine Höhe von 769 m ü. dem Meeresspiegel. Die Ansiedlung war dem Bergbau und der Holzgewinnung geschuldet. Der Bergbau galt der Gewinnung von Erzen. Dieser wurde bis Mitte des 20. Jahrhunderts betrieben. Heut zählt das Örtchen etwas über 700 Einwohner und hat durch den Tourismus (ca 8500 Gästebetten) selbst in den frühen Morgenstunden schon etwas unruhiges. Dem entfliehend starteten wir hier unsere Wanderung. Aber wir wählten nicht den direkten Weg, sondern bogen rechts in den Wald ab. 
Entlang eines schönen Waldweges gewannen wir langsam aber stet an Höhe. 



Je höher wir kamen, umso mehr lichtete sich der Nebel und  das Grauen des Morgens. Die Sonne ließ es immer heller werden und wir hatten immer wieder tolle Ausblicke.



Als wir fast unseren ersten Gipfel des Tages fast erreicht hatten und aus dem Wald traten, eröffnete sich uns folgender Blick......


Ein paar Schritte weiter und wir hatten den Gipfel es Rosenberges (Ruzova hora) mit seinen 1390m erreicht. Ein wunderbarer Gipfel, welchen wir einfach bei einer Pausenzeit mit einem lecker Rübezahlbrot -eine von einem Riesenlaib geschnittene Scheibe duftendes Brot mit Gewürzen darauf hausgemachter Quark mit Kräutern, Lauch und Knobi- vor der sehr urigen Baude einfach genießen mussten. So wurden wir Zeuge noch herkömmlichen Forstarbeit. Zur Feuerholzgewinnung geschlagene Bäume werden hier mit Mann, Hund und Pferd aus dem Wald gezogen, ein sehr spannendes Schauspiel, da der Boden abfallend und nicht eben war. 


Nach unserer Pause mit Schauspiel sollte es nun aber weiter gehen zum höchsten Berg es Riesengebirges. Hier führte uns erst einmal ein recht bequemer Weg dem Ziel immer näher. Den Gipfel hatten wir immer vor Augen. 


Da es sehr eben entlang ging, ließ der immer näher kommende Berg schon den noch bevor stehenden Aufstieg erahnen und auch genau erkennen. 


Doch der Aufstieg war weder konditionell anstrengend noch langweilig. Dafür sorgten aufregende Blicke zurück und nach oben.....


Schneller als gedacht erreichten wir den Gipfel der Schneekoppe (Snezka). Die Schneekoppe ist mit 1602 m nicht nur der  höchste Gipfel des Riesengebirges. Er ist heut auch ein böhmisch-polnischer Grenzberg. Geschichtlich betrachtet, war die Schneekoppe bis 1945 der höchste Berg Preußens und der deutschen Mittelgebirge. Mitte des 15. Jahrhunderts erklomm als erster ein venezianischer Kaufmann auf der Suche nach Edelsteinen den Berg. Ihm folgten einige prominente Menschen der Geschichte.... 1800 das preußische Königspaar, 1804 erschien ein Reisebericht John Quincy Adams (dem späteren US-Präsidenten) über Schlesien mit der Besteigung der Schneekoppe, 1828 verünglückte  ein  dem polnischen Hochadelgeschlechts Odrowaz angehördender Student. 
Heut findet man auf der Schneekoppe auf polnischer Seite die Mitte des 17. Jahrhunderts errichtete Laurentiuskapelle, eine recht futurisch wirkende Wetterwarte und Restaurant (Anfang der 1970er Jahre erbaut), auf böhmischer Seite eine 2007 durch den Präsidenten eröffnete Poststelle mit Kiosk und eine im Erneuerungsbau befindliche Seilbahn. 



Einzigartig ist hier auch der 360° Ausblick......die Bilder geben nur leider einen Bruchteil dessen wieder......



Nun begann der Abstieg erst steinig und steil dann gemächlich auf breitem Weg. Hier ein Blick zurück auf die Schneekoppe.....


Dort mussten wir aufgrund plötzlicher Kniebeschwerden eines Teammitgliedes umentscheiden und den Rückweg kurzer Hand umverlegen. So wählten wir  für den Abstieg den nicht minder schönen Riesengrund (Obri dul). Dieser führt direkt bis in den Ort Petzer. Der Grund zeichnet sich  durch seine steil abfallenden Hänge mit  voralpinem Charakter aus und  ist bis auf den Wanderweg touristisch nicht erschlossen. Entsprechend ruhig war es hier und kaum ein Wanderer begegnete uns. Ein Blick zurück lohnte sich immer. Man bekommt auch eine kaum vorstellbare Ahnung von dem hier vor ca 10000 Jahren befindlichen Gletscher. Er besaß eine Dicke von bis zu 100 Metern, erreichte eine Länge bis zu 4km und eine Höhe von 810 Metern.


Unser Weg führte uns nicht nur an einem Pumpwerk zur Schneekoppe vorbei......


.....nein auch an sehr regelmäßig aufgestellten Rettungsschildern, welche ich allesamt wohlweislich ob der plötzlich schwer beherrschbaren Kniebeschwerden abfotografierte......


....nein wir riefen die böhmische Bergwacht nicht, auch wenn ich immer mal drauf und dran war selbiges zu tun......Wenn auch nur sehr langsam, aber wir kamen doch vorwärts und erreichten erneut eine kleine Kapelle, wo wir kurz inne hielten. Der weitere Weg setzte sich nun sehr gemäßigt fort und zeigte sich auch von einer sehr schönen Seite. 


Wieder am Auto angekommen, hatten wir erneut einen wunderbaren Wandertag mit 2 Gipfeln, traumhaften Ausblicken, sehr schönen Wegen, einigen Höhenmetern und reichlich 20 km in den Beinen. Den Abend ließen wir wieder bei einem Feuer ausklingen und ich kam nicht umhin immer wieder von der Schönheit des Gebirges zu schwärmen......


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