Donnerstag, 23. August 2012

Waltersdorf-Burg Kost-Lausche (29. Juni 2012)

Die Planung dieses Wochenendes erfolgt bereits zu der kalten Jahreszeit, als hier noch Schnee und Eis die Oberhand hatten und wir alle ein wärmendes Feuerchen im Kamin genossen. Nun sollte es soweit sein und alle bangten um schönes Wetter. Die Sonne meinte es fast zu gut und so sollten Regengüsse und Wärmegewitter drohen. Doch nichts desto trotz, sattelten wir alle unser Taschen, packten die Motorräder, trafen uns an einem markanten, aber schattigen Plätzchen, um gemeinsam in das Wochenende zu fahren. Entgehen ließen wir uns nicht die berühmten Hohnsteiner Serpentinen. Eine bei Motorradfahrern beliebte kurvenreiche bergauf und -ab Strecke. Diese Strecke wurde in den Jahren 1919-22 erbaut und im Jahre 1926 erfolgte das erste Hohnsteiner Bergrennen. Im Laufe der Jahre wurde die Strecke immer weiter ausgebaut umfasst nun 16 Serpentinen, ist in mehrere Streckenabschnitte geteilt und der gesamte Ring kann ein Anzahl von 35 Kurven aufweißen. 1940 sollte das erste Rennen in der Sächsichen Schweiz zum großen Preis von Großdeutschland stattfinden. Aber die Kriegswirren verhinderten dies und seither startete hier nie wieder ein Rennen. Bald nach diesem schönen Stück passierten wir die Grenze ins böhmische Nachbarland wo es gemütlich weiter ging. Die Sonne forderte ihre Tribut und unser Wasserhaushalt wollte aufgefüllt werden. An einem scheinbar für uns geschaffenen Platz legten wir einen kurzen Stopp ein. 
Diese kleine Kapelle ist erstmals in einer Karte 1723 zu finden. 1742 wurde der Bau fertig gestellt. Immer wieder fanden hier umfangreiche Sanierungsarbeiten statt. So auch bereits Mitte des 19. Jahrhunderts. Ihr dreieckiger Grundriss symbolisiert Gottes Dreifaltigkeit. 1945 fand hier eine Dankprozession ob der Abwendung der Verwüstung durch den Krieg nahe gelegener Ortschaften statt.


Nachdem wir nun unseren Wasserhaushalt wieder ausgeglichen hatten, cruisten wir in Richtung unser Ziel. Cruisen.....hier erweiterte sich mal wieder mein Wortschatz....ich gebe den Inhalt mal so wieder, wie ich es empfunden habe..... ein völlig entspanntes Fahren in der Gruppe, wo wir auch Zeit hatten die vorbeigleitende Landschaft zu genießen. 
Unser heutiges Ziel war Waltersdorf. Ein kleines verschlafenes Örtchen im Zittauer Gebirge. Der im 14. Jahrhundert besiedelte Ort konnte sich so manch kleine Besonderheit durch seine zweiseitige Grenze in Böhmische bewahren. Im 30 jährigen Krieg wandelte sich das Bild. Es kamen viele Menschen die dem Krieg entflohen und es entwickelte sich ein Leinenweberort. In den 20er Jahren des vergangen Jahrhundert kamen die ersten Urlauber und so wuchs auch das Gastgewerbe. Direkt am Fuße der Lausche (dazu später) sollten wir für dieses Wochenende unser Domizil einnehmen. Und der Wirt begrüßte uns freudig und stand schon am Zapfhahn und es gab für uns alle ein "Sturzbier" noch bevor wir aus den Kombis stiegen. Sogleich den Wohlgeschmack bemerkt erkundigte ich mich nach der Sorte..... und sieh da..... es war ein Svijany. 


Nun sollte ein Abend mit viel fröhlichem Erzählen und gemeinsamen Lachen beginnen. Immer mal wieder "blubberte" es, bis die Gruppe nun vollständig war. Irgendwann findet auch der schönste Abend ein Ende und nur von Naturgeräuschen begleitet schlummerten wir bis zum Morgen. Erwacht sind wir allerdings mit gemischten Gefühlen. Der Himmel zeigte eine unverkennbar dunkle Farbe und es sollte nicht lang dauern, bis ein satter Regen zu Boden ging. Nach dem Frühstück machten wir die Regenkombis flott und hatten schon den Plan B, die Schlechtwettervariante eine verkürzte Runde im Kopf. Doch als wir pünktlich halb zehn vor die Tür traten, verzog sich der Regen und der Himmel tat sich langsam auf. Also Regenkombis wieder zurück und los. Unser Pensionwirt war unser Guide und wir starteten zu einer wunderschönen Tour ins böhmische Nachbarland. An uns zogen  typische  böhmische Dörfchen vorbei, wir fuhren zwischen wunderschönen Felsen hindurch bis wir unser heutiges Hauptziel, die Burg Kost, erreichten. Eine mittelalterliche Burg mitten im Böhmischen Paradies(Cesky raj). Mitte des 14. Jahrhunderts wurde diese Burg erstmals erwähnt und seither auch baulich ihre Siluette nicht mehr verändert. Ein Jahrhundert später erwarben die von Hasenburgs (deren Burg ich ebenfalls bereits besuchen durfte) dieses Anwesen. Die Besonderheit dieser Burg ist der trapezförmige Turm. Dieser wurde beispielhaft in so manch anderen Burgen gebaut, denn so konnten die Kanonenkugeln nicht im rechten Winkel eindringen und nicht einen so großen Schaden anrichten. 


Weiter ging die Reise auf zwei Rädern vorbei am Grab Gottes (Bozi hrob) einer kleinen Felskapelle nahe Wellnitz (Velenice), welche in mehrjähriger Arbeit im 18. Jahrhundert geschaffen wurde. Die aus dem Sandstein geschaffenen Reliefs zeigen den Lebens- und Leidensweg Christis. 1945 verfiel die Kapelle zusehen, wurde aber 2002 wieder instant gesetzt. Eine weiter kurze Pause legten wir an.....nein in der Bikerhöhle ein. Dies ist eine in den Sandstein gehauene Höhle, welche dem Abbau von Sand diente. Selbiger wurde in der hier ansässigen Glasindustrie zum Schleifen genutzt. Nun findet man hier eine Gaststätte speziell für Biker, bei der man direkt mit dem Motorrad bis an den Thresen fahren kann. So wurde dies für uns eine ganz eigene Erfahrung. Nach etwa 300km  in unserer gemütlichen Pension angekommen gab es wieder ein umittelbares Sturzbier ehe wir uns aus den schweren Kleidern schälten und uns der sommerlichen Hitze angepasst auf Wanderschaft begaben. 
Da unsere Pension direkt am Fuße der Lausche lag, war unser Ziel somit vorbestimmt. Die Lausche ist ein deutsch-böhmischer Grenzberg und mit seinen 793m der höchste Berg der Lausitz. Anfang des 19. Jahrhunderts erbaute man den ersten Aussichtsturm und eine Restauration. Da diese bald nicht mehr ausreichte wich der Holzbau einem größeren Gebäude. Die Besonderheit dessen war es, dass jeder Gast auf seiner Landesseite Platz nehmen und auch in seiner Landeswährung zahlen konnte. Nach dem 2. Weltkrieg wurde beide Teile durch Stacheldraht getrennt. Aus nie aufgeklärten Gründen brannte das Gebäude im Januar 1946 bis auf die Grundmauern ab. Und erst in den 1970er Jahren wurde der Stacheldraht entfernt und somit der Gipfel wieder von beiden Seiten begehbar. 


Vom Gipfel aus bietet sich dem Wanderer ein wunderbarer 360° Blick.....


Da der Gipfel wandertechnisch keine große Hürde darstellte, sondern nur ein kleiner Spaziergang bergauf war, hielt er dennoch eine kleine Herausforderung für uns bereit. Wollten wir doch auch den etwas kleineren Vorgipfel besuchen, die Kleine Lausche. Zwar etwas niedriger aber für mein Gefühl der weitaus schönere Gipfel. Die Schwierigkeit betand einzig darin den schmalen Pfad, der uns auf diesen Gipfel brachte, als solchen zu erkennen.



Der Blick von hier aus ist ebenso wunderschön und mit einem solchen möchte ich mich auch für heut hier verabschieden. Nachdem wir vom Berg abstiegen, erwartete uns erneut ein gemütlicher Abend und den Sonntag nutzten wir zu einer ausgedehnten Heimfahrt um das Wochenende noch daheim im Nachbarort gemeinsam ausklingen zu lassen. 





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