Montag, 30. April 2012

Zeidlerburg 28. April 2012

Ein langes Wochenende stand bevor so kam von meiner heutigen Begleitung die Anfrage, ob wir nicht mal wieder zusammen wandern gehen wöllten. Gesagt getan! Allerdings tat sich nun die Frage auf, wohin nur. Ich hatte keine Lust mich in die touristischen Highlights der sächsischen Schweiz zu begeben, da es abzusehen war, dass diese bei dem Wetter zu übervölkern drohten. Nun war guter Rat teuer. Aber gab es doch einen Ort, den ich noch nicht kannte und schon immer mal kennenlernen wollte.... so wurde dies heut unser Hauptwanderziel. 
In aller Frühe trafen wir uns in Hinterhermsdorf. Einem kleinen Dörfchen nahe der deutsch-böhmischen Grenze. Wir schulterten unsere Rucksäcke und stiefelten bei noch angenehmen Temperaturen los und warfen einen Blick zurück auf Hinterhermsdorf.


Nun ging es hinab ins Tal ein Stück entlang der Kirnitzsch. Die Kirnitzsch, ein kleiner Nebenfluss der Elbe, entspringt im böhmischen Lausitzer Bergland, sucht sich seinen Weg zwischen engen Felsschluchten im böhmischen Khaatal, im deutsch-böhmischen Kirnitzschtal , um in Bad Schandau in der Elbe zu münden. Es nimmt eine Größe an, dass es vom Mittelalter bis ins 20 Jahrhundert zur Holzflößerei genutzt wurde.


Romantisch wie das Khaatal ist, aber es ist unglaublich aber wahr.... es ist asphaltiert......was ich zugegebener Maßen als Radfahrer nach anstrengenden Bergfahrten schon zu schätzen wusste. 


Unser Weg führte uns  bis zur Touristenbrücke (Turisticky most). Diese diente als Zufahrt zu einem Waldstück. Ein überdachter Rastplatz lud zu einer kurzen Pause ein. 


Da wir aber noch ein ganzes Stück weg vor uns hatten, verließen wir hier das Khaatal und es ging ein Stück entlang im Tal des Wolfsbaches (Vlci potok) dann bergauf meinem Wunschziel ein Stück näher. 


Nach etwa 100 Höhenmetern hatten wir den recht steilen Aufstieg hinter uns gebracht und es ging gemächlich weiter bis zum Abzweig zur Zeiderburg (Brtnicky hradek). Es ist eines der Raubschlösser hoch über dem Khaatal. Nun führte uns ein kleiner Pfad über mehrere Felsspalten, hauptsächlich künstlich gehauenen Stufen (durch einen Gebirgsverein im Jahre 1890) zur Burgfeste.



Auch wenn geschichtlich nichts weiter überliefert wurde, deuten Keramikfunde, Hufeisen und ähnliche Dinge auf eine Erschliessung der Burg in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts hin. Vermutet wird, dass diese zu Festigung der Herrschaft der Berken von Duba diente. Nach einer Daseinsberechtigung als Wachburg verwandelte sie sich vermutlich in ein Räubernest. Heut erkennt man noch eine im Durchmesser ca 10 m rechteckige Aussparung. Ob es sich hier um Keller- oder bereits Wohnräume oder gar die Befestigung eines Wachturmes handelt, wird sich nicht mehr klären lassen. So kann hier jeder seiner Phantasie freien Lauf lassen. 


Und bei diesem wunderbaren Ausblick bot sich hier eine erste Rast an.



Wieder zurück auf dem Wanderweg machten wir erneut einen kleinen Abstecher. Einen Abstecher in das Große Preußenlager (Velky prusky tabor).  Einen großen Felsüberhang der durch einen schmalen Felsspalt zu erreichen ist und der damaligen Bevölkerung dem Schutz vor den preußischen Truppen zu Zeiten Friedrichs dem Großen diente. Heute erinnert noch eine Tafel an das damalige Geschehen. 


Faszinierend fand ich hier auch die sehr ausgeprägte Schwefelflechte auf dem Sandstein in ihrem leuchtenden Gelb. Diese ist sehr komplex und hat ihren Ursprung in der Geologie sowie der Biologie. Sie ist eine  "silkikatliebende" Flechte. Silikate binden Sand und lassen so Sandstein entstehen. Sie ist ein Doppelwesen von Pilzfäden und Algen. 


Unserer weiterer Weg führte uns nun zu einer Lichtung auf dem mal ein Jagdschlösschen Sternberg (Sternberk) gestanden haben soll. Erbaut wurde es 1771 und wurde zu Ehren der Gemahlin des Grafen Wenzel zu Salm-Reifferscheidt, einer geborenen Sternberg, auch Sternberg genannt. Später wurde hier auch eine Gastwirtschaft eingerichtet. Nach dem 2. Weltkrieg ging es in staatlichen  Besitz über und galt nun Erholungszwecken. Erweitert wurde es durch eine Bungalowsiedlung. Mit den Jahren 1989/90 wurde das Gelände nicht mehr genutz und verfiel zusehens. Von dem Schlösschen ist heut nichts mehr zu sehen. Einzig ein paar  scheinbar verlassenen Bungalows zeugen von den Zeiten als Erholungsort.


Unweit kann man noch weiter Zeitzeugen entdecken, eine Brunnengrotte und ein Sandsteinkreus des Jagdschlösschens. 


Weiter ging es noch ein Stück des Waldes entlang wo den höchsten Punkt unserer heutigen Wanderung erreichen sollten. Anschließend traten wir hinaus und der Wanderweg führte über eine Wiese. 


Angekommen in dem kleinen böhmischen Dörfchen Zeidler ( Brtniky) entdeckten wir so manch sehenswertes Kleinod. Da es auf eine lange Geschichte zurück blicken kann (erstmalige Erwähnung 1346) und auch eine z.T. deutsche Geschichte hat, findet man hier auch noch einigen Inschriften in deutscher Sprache. 

Zeidler befindet sich an der Grenze der Böhmischen Schweiz zum Lausitzer Gebirge. Man findet hier ländliche Idylle, aber auch die sanierte alte Villa eines Fabrikanten. 1839 gründete Johan Klinger hier eine Strickindustrie. Die Produkte waren von höchster Qualität und in ganz Europa bekannt. In Hochzeiten hatte Zeidler eine Einwohnerzahl von 3000. Nun leben noch etwa 200 Menschen hier.


 

Da die Temperaturen hochsommerliche Werte erreichten beschlossen wir, in Hemmenhübel (Kopec) dem nächsten Ort den wir durchwanderten, eine Rast in der dortigen Gastwirtschaft einzulegen und uns ein kaltes böhmisches Bier zu gönnen. 
Hemmehübel, ein kleiner Erholungsort, befindet sich im Schluckenauer Zipfel (dem böhmischen Niederland). Durch seine Lage am Rande der böhmischen Schweiz gilt das Dörfchen auch als Eingangstor zu dieser Landschaft. Die 1660 gegründete Ortschaft galt als völlig eingenständig mit einer Schule, einer Pfarrei, einem Richter. 
Heute zeigt es sich dem Wanderer in wunderbarer böhmischer Idylle.


Lebensgrundlage bildeten einst die vier Teiche mit ihren vier Mühlen. Einem früheren Mühleneigner zu Ehren findet man unweit der Ortschaft ein Kreuz. 



Dankbar über die schattenspendenden Bäume des Waldes ging es nun entlang im Tal des Zeidlerbaches, der in die Kirnitzsch mündet, zurück zum Ausgangspunkt unserer Wanderung.  


Vom letzten Aufstieg in sengender Hitze geschafft, aber fröhlich am Auto angekommen, sollte ein schöner Wandertag mit einigen neuen Eindrücken, einer Gesamtstrecke von reichlich 21 km und ein paar gemäßigten Höhenmetern zu Ende gehen. Oder doch nicht.... kaum zu Hause der Dusche entstiegen hörte ich es schon lustig in meiner Einfahrt "blubbern" und ging es nochmal in die schwarze Kombi und eine freundliche alte Dame von 30 Jahren und mit 90 PS unter der Sitzbank trug uns in das Osterzgebirge in eine ganz tolle Abendstimmung hinein. Da waren alle Anstrengungen der Hitze wegen vergessen und der Tag fand so noch einen besonderen Ausklang.

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