Montag, 30. April 2012

Das Müglitztal (29.April 2012)

Heute nun sollte es soweit sein und sich ein lang gehegter Wunsch von mir erfüllen. Doch von vorn! Meinem Traum rückte ich schon vor etwa einem viertel Jahr ein Stück näher. Als plötzlich vor meiner Tür sich mir ein ganz schnicke hergerichtetes und auf meine doch recht kleine Körpergröße umgebautes mit einem roten Schleifchen altes-neues Zweirad namens Renni vorstellte und meinte, es wolle mein neuer Freund werden. Doch oh weh....der Winter zog sich und wir sahen uns immer nur mal auf ein freundliches Hallo in Rennis neuer  Winterbehausung. 
Doch nun da der Frühling explosionsartig auf sich aufmerksam machte, war kein Halten mehr. 
Nachdem ich vor ein paar Tagen mit einem Freund schon einen kleine Proberunde über Berg und Tal drehen durfte, stand mein Entschluss zu einer ausgedehnteren Tour fest. Einzig meine Bedenken waren dem heut heftigem Wind gewidmet. Aber ich hoffte, dass es  im Tal schon gehen würde und nach einem gemütlichen Frühstück mit meinem Lütten, entließ mich das Kind mit der freundlichen Ermahnung: "Mutti pass auf, dass dir nicht wieder was passiert". Ich versicherte ihm, dass ich mir viel Mühe geben werde, setzte noch Helm und die Gute-Laune-Brille auf und startete von meinem Bergdorf um von einer Höhe von 295m auf 175m abzufahren. 
Nun war ich im Müglitztal und die Tour ging los. Doch was war das.....kein Wind, Pustekuchen nee -wind, selbst im Tal Wind ohne Ende und dann auch noch entgegen meiner Fahrtrichtung. 


Das Müglitztal ist für mich eines der schönsten Zufahrten zum Osterzgebirge. Die Müglitz ein normalerweise nicht zu großer Fluß entspringt 2 Quellen im Osterzgebirge. Einmal der Weißen Müglitz (Mohelnice), deren Quelle im böhmischen Vorderzinnwald (Predni Cinovec)  ist und dem Schwarzbach (Cerny potok) der seinen Urspung im böhmischen Ebersdorf (Habartice) hat. Unweit dem deutschen Dörfchen Müglitz findet man den Zusammenfluss dieser beiden Quellflüsse. Nun fließt die Müglitz ausschließlich auf sächsischem Gebiet weiter, um nach etwa 49 km in der Elbe zu münden. 
Das Müglitztal schlängelt sich zwischen Berghängen entlang. 
Das hier so friedlich wirkende Flüsschen trat im August 2002 über die Ufer und richtete verheerende Schäden an. Dies war die letzte von 18 Hochwasserkatastrophen.


Aber die Wasserkraft der Müglitz wurde auch genutzt. So gab es reichlich Mühlen etwa aller 1,7km. Hauptsächlich handelte es sich um Getreide- und Sägemühlen. Hier möchte ich einige Beispiele nennen: die Orgusmühle, die Herrenmühle, die Elisabethmühle, die Neumannmühle, die Friedensmühle. Auch radelte ich an der Krugmühle vorbei, wo ich ein erste kurze Trinkpause einlegte. 
Die Krugmühle war eine Getreidemühle, deren Geschichte auf das Jahr 1590 zurück geht. Ihre Namensgebung erhielt sich durch den Mühlenbesitzer Carl Gottlob Krug, der die Mühle von 1766 für viele Jahre sein Eigen nannte. 1887 wurde sie für 24ooo Mark verkauft und es erfolgt im Laufe der Jahre ein Auf-und Umbau u.a. zur Nutzung elektrischen Stromes durch Wasserkraft. Eine Motorenreparaturwerkstatt, ein Turbinenhaus entsteht. Der Getreidemühlenbetrieb war schon längst eingestellt. 
Nach der Wende geht die Mühle in Familienbesitz zurück und die Mühle wurde zum Kulturdenkmal. Trotz nochmaligem Besitzerwechsel ist dies bis heut herhalten und fortgeführt. 


Doch nun aber flugs wieder Renni gesattelt und los. Auch wenn es stet bergan und der Gegenwind nicht nachlassen wollte, machte es mir viel Spaß weiter in die Pedalen zu treten. 
Ich stellte fest, dass Rennradfahrer freundliche Menschen sind und sich grüßten und es gab sogar mal aufmunternde Worte, dass es in die andere Richtung dann mit Rückenwind leichter wäre. Ein paar Kilometer weiter, ich wollte eigentlich noch garkeine erneute Pause einlegen, konnte ich aber nicht umhin ein Nebengebäude einer weiteren Mühle auf einem Foto festzuhalten.


Meine kurze Knipspause nutzte ein ebenfalls freundlicher Herr auf einem Rennrad um an mir vorbei zu radeln. Nun aber auch mit mir nichts wie wieder los. Schließlich hatte ich noch ein ganz paar km vor mir. Recht schnell holte ich auf und wollte den Windschatten des vor mir Fahrenden ausnutzen. Da kam plötzlich von vorn der Kommentar, dass es ihm schon aufgefallen sei, dass ich gut unterwegs sei. Ich hab nicht weiter drüber nachgedacht, hab's als Kompliment genommen  und mich gefreut. So ergab es sich, dass wir einen kurzen Streckenabgleich machten und ein Stück des Weges gemeinsam fuhren. Irgendwann trennten sich dann unsere Wege und mein "Umkehrziel" des heutigen Tages rückte in immer greifbarere Nähe. Der Wind wurde tatsächlich merklich mehr und die Steigung nahm auch nochmal zu. Aber haste nicht gesehen, war ich in Geising und hatte mich auf eine Höhe von 588m hoch gestrampelt. 
Hier angekommen fragte ich mich allerdings schon, was ich mit dem Rad mache ;-) 


Geising ist ein kleines schickes Städtchen im Osterzgebirge unweit der böhmischen Grenze. Es enstand vorrangig als Anlage um den Bergbau. Erste urkundliche Erwähnung der Geschichte des Bergbaus sind auf das Jahr 1375 zurück zu führen. Der Bergbau galt hier hauptsächlich der Gewinnung von Eisen, Silber und Zinn. Die sich immer weiter entwickelnde Ansiedlung erhielt 1453 das Stadtrecht. So drehte ich noch eine kleine Runde durch das beschauliche Städtchen um mich dann für 20 Minuten auf einer Bank nieder zu lassen. 


Na nun aber sollte es doch wie von selbst gehen und wusch schoss die Hexe los. Das ging alles gut bis zu einem Punkt.... da drehte der Wind und ich hatte abschnittsweise richtig derben Kantenwind. Also trat ich in die Pedalen was die Beine nur hergaben. Rechts und links des Weges zeigte sich der Frühling von seiner schönsten Seite. 


So war ich schneller wieder als gedacht am heimatlichen Abzweig nach oben. Die nun zu überwindenden 120 Höhenmeter in recht kurzer Distanz stellten heut schon eine kleine Herausforderung für mich dar, zumal meinem neuen Freund Renni ja ein klitzekleines "Zahnrädel" fehlt und somit etwas mehr Muskelarbeit meinerseits gefragt war. Aber wir waren uns einig "Gemeinsam sind wir stark" Und so war es auch. Recht kontinuierlich erklommen wir den Berg und legten nach dem Waldaustritt eine letzte kleine Trinkpause ein und wurde mit diesem Blick belohnt. 


Nun war es nicht mehr weit und ich stieg nach genau 3 1/2 Stunden zu Hause vom Rad (inklusive einer halben Stunde Pause) , hatte 60 km in den Muskeln und einige Höhenmeter hinter mir. Freute mich, dass mein Traum das Müglitztal mit dem Rennrad zu erradeln nun kein Traum mehr war und Renni und ich stellten fest, dass es sicher eine dicke fette Freundschaft werden wird. 
An dieser Stelle nochmal ein Danke an all die, die mir diese Freundschaft ermöglichen!

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